Auf Einladung des Bundestagsabgeordneten Florian Oest und des Görlitzer Landrates Dr. Stephan Meyer kamen gestern Nachmittag Vertreter der Oberlausitzer Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft in Berlin mit der Leiterin des Wirtschaftsbüros Taipeh der Deutschen Außenhandelskammer, Dr. Eva Langerbeck, sowie dem Repräsentanten der Taipeh-Vertretung in der Bundesrepublik Deutschland, Dr. Klement Gu, zusammen. Ziel des Gesprächs war vor allem, konkrete Ansatzpunkte für eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Taiwan und der Oberlausitz zu identifizieren. Im Ergebnis des Gesprächs wird eine offizielle Partnerschaft zwischen dem Landkreis Görlitz und einer taiwanesischen Region vorbereitet. Diese Regionalpartnerschaft wird mit Unterstützung der Taipeh-Vertretung auf den Weg gebracht und bei nächstmöglicher Gelegenheit durch eine Oberlausitzer Delegationsreise in die taiwanesische Partnerregion ins Leben gerufen.
„Mir ist es wichtig, die Verbindungen zwischen Taiwan und der Oberlausitz kontinuierlich zu vertiefen, damit der Landkreis Görlitz bei der Entwicklung der Halbleiterindustrie in Sachsen eine wichtige Rolle spielt. Die Außenhandelskammer in Taipeh ist dabei ein ganz wichtiger Partner für uns. Durch unsere Nähe zum Mikroelektronikcluster Silicon Saxony, die bestehende Wirtschaft und die regionale Forschungs- und Bildungslandschaft bieten wir ein sehr gutes Ökosystem für die Mikroelektronik." so Oest zu dem auf seine Initiative hin entstandenen Termin.
"Der heutige Termin hat wesentlich zur Konkretisierung der Zusammenarbeit zwischen Taiwan und der Oberlausitz beigetragen, die bereits im Rahmen der Delegationsreise nach Taiwan vor wenigen Wochen und bei vorherigen Kontaktgesprächen begonnen wurde. Insbesondere im Bereich der Halbleitertechnologie können Ostsachsen und Taiwan dank der Hightech-Agenda der Bundesregierung stark voneinander profitieren. Mithilfe von Science Parks schafft Taiwan ein innovationsfreundliches Umfeld, in dem Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Start-ups eng zusammenarbeiten - diese Chance möchten wir auch bei uns im Landkreis Görlitz nutzen. Durch unsere Nähe zum Mikroelektronikcluster Silicon Saxony, unsere zentrale Lage zwischen den Metropolregionen Breslau, Prag, Dresden und Berlin sowie die regionale Forschungs- und Bildungsstärke der Hochschule Zittau/Görlitz, von CASUS, dem DZA und unseren drei Berufsschulzentren bieten wir dafür die besten Voraussetzungen. Für mich ist deshalb klar, dass auch das geplante Kompetenzzentrum Chip Design nach Sachsen kommen muss.", so Oest.
„Für den Landkreis Görlitz und die gesamte Oberlausitz ist der Austausch mit Taiwan von großem strategischem Interesse. Wir wollen die aktuellen Investitionen in die europäische Halbleiterindustrie nutzen, um unsere Region noch stärker als Innovations- und Forschungsstandort zu positionieren. Gerade die enge Verbindung von Wirtschaft, Wissenschaft und Ausbildung bietet bei uns hervorragende Voraussetzungen, um internationale Kooperationen mit Leben zu füllen und neue Wertschöpfung in der Region zu schaffen. Ein wichtiger nächster Schritt ist die beabsichtigte Partnerschaft mit einer Region in Taiwan. Sie soll die Zusammenarbeit weiter vertiefen und den Austausch zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung auf eine noch stabilere Grundlage stellen. Unser Ziel ist es, dadurch konkrete Investitionen aus Taiwan auch im Landkreis Görlitz voranzubringen und langfristige Kooperationen aufzubauen. Davon kann nicht nur die Halbleiterindustrie profitieren. Auch unsere mittelständisch geprägte Wirtschaft – etwa im Maschinen- und Anlagenbau, in der Energiewirtschaft sowie in der Luft- und Raumfahrt- und Sicherheitsindustrie – eröffnet diese Verbindung neue Chancen für Kooperation, Innovation und internationale Wertschöpfung.“, so Landrat Dr. Stephan Meyer.
Hintergrund: Mit der Hightech-Agenda investiert die Bundesregierung in sechs Schlüsseltechnologien der Zukunft, unter anderem in die Mikroelektronik. Der Oberlausitzer Bundestagsabgeordnete Florian Oest ist Mitglied im Forschungsausschuss und für dieses Thema Berichterstatter der CDU/CSU-Fraktion. Vor wenigen Wochen hatte er eine sächsische Delegationsreise nach Taiwan, den weltweit führenden Mikroelektronik-Standort, initiiert, an der u.a. der Rektor der Hochschule Zittau/Görlitz Prof. Dr. Alexander Kratzsch und der Hauptgeschäftsführer der IHK Dresden Lukas Rohleder teilnahmen. Ziel der Bemühungen der ostsächsischen Wirtschafts-, Politik- und Wissenschaftsvertreter ist es, die Ansiedlungen im Bereich der Mikroelektronik im Großraum Dresden stärker mit der regionalen Wirtschaft und Wissenschaft in Ostsachsen zu verzahnen und tragfähige Beziehungen nach Taiwan aufzubauen, damit die beiden Partnerregionen nachhaltig voneinander profitieren können - insbesondere im Bereich der Wirtschafts- und Wissenschaftskooperation rund um die Halbleiterindustrie.